Delegiertenversammlung 2020

 

 

Fragen der Delegierten

 

Müssen sich die Arbeitnehmer- bzw. Arbeitgebervertreter bei der Stimmabgabe innerhalb ihrer Delegation einig sein oder ist eine unterschiedliche Stimmabgabe möglich (ein Arbeitnehmervertreter stimmt ja, zwei andere nein)
(Michael Kissling, Alternative Bank Schweiz)

Bei der physisch durchgeführten Delegiertenversammlung verteilen wir pro Anschluss je eine Stimmkarte für die Arbeitnehmer- und eine für die Arbeitgebervertreter. Bei der Abstimmung kann die Karte nur hochgehalten werden oder nicht. Analog dazu muss bei der brieflichen Abstimmung die Stimmabgabe einheitlich erfolgen.

Die angekündigte Senkung der Umwandlungssätze basieren unseres Erachtens nicht auf der aktuellen Gesetzesgrundlage. Im Entwurf «BVG-Revision 2022» welcher nun bei der Politik zur Diskussion liegt, ist ein Mindestumwandlungssatz von 6% beim ordentlichen Rücktrittsalter vorgesehen.
(Sylvia Käsermann, Messer Schweiz AG)

Der Entwurf der BVG-Revision ist keine gesetzliche Grundlage. Massgebend ist aktuell Artikel 14 Absatz 2 BVG, welcher den Mindestumwandlungssatz für das ordentliche Rücktrittsalter auf 6.8 Prozent festlegt. Der Mindestumwandlungssatz gilt nur für das BVG-Altersguthaben. Die allermeisten Altersrenten von Nest liegen bedeutend über den BVG-Mindestleistungen und alle Altersrenten erfüllen auch mit den neuen Umwandlungssätzen sämtliche gesetzlichen Vorgaben. Etwas anderes würde die Aufsichtsbehörde auch nicht zulassen.

Ein weiterer Vorschlag des umhüllenden Umwandlungssatzes, welcher auch noch nicht fix ist, rechtfertigt die Senkung von zukünftig 0.2% pro Jahr nicht und wir empfinden dies als zu grosse Schritte. Unabhängige Studien zeigen auch auf, dass die Altersbe-rechnungen verschieden ausgelegt werden können und dass das Durchschnittsalter nicht weiter steigen, sondern eher sinken wird.
(Sylvia Käsermann, Messer Schweiz AG)

Niemand kann mit Sicherheit sagen, wie sich die Lebenserwartung langfristig entwickeln wird. Unsere aktuellen Zahlen zeigen, dass unsere Altersrentner immer länger leben und wir die Reserven laufend aufstocken müssen, damit wir die Renten auch für die Zukunft garantieren können. Auch ist die höhere Lebenserwartung nicht der einzige Faktor, welcher eine Reduktion des Umwandlungssatzes erfordert. Die im aktuellen Umwandlungssatz enthaltene Verzinsung der Altersguthaben ist deutlich höher als die Renditeerwartungen im Tiefzinsumfeld und die Verzinsung der Sparguthaben (BVG Minimalverzinsung 1%). Mit jeder neuen Rente entstehen durch die vorzunehmende Bilanzierung des Alterskapitals zu einem vorgegebenen tieferen (technischen) Zins Verluste. Die Aufstockung der hierfür notwendigen Reserven geht zulasten der Verzinsung der Altersguthaben. Dadurch entsteht eine ungerechte Umverteilung von den jüngeren zu den Versicherten, die in den nächsten Jahren in Rente gehen. Mit der schrittweisen Senkung der Umwandlungssätze wird diese Quersubventionierung zwar nicht beseitigt, aber reduziert. Auch mit den beschlossenen Senkungen sind die Umwandlungssätze von Nest noch höher als bei den meisten anderen Vorsorgeeinrichtungen in der Schweiz.

Wohin fliessen die Gelder von frühzeitig verstorbenen Altersrentnerinnen?
(Sylvia Käsermann, Messer Schweiz AG)

Diese Gelder verbleiben in den Reserven und tragen dazu bei, denjenigen Altersrentnern die Rente weiter auszurichten, die länger leben. Da mehr Rentnerinnen länger leben, als früher versterben, müssen die Reserven laufend verstärkt werden.

Ihr Umwandlungssatz wird innerhalb von 4 Jahren auf 5.5 % gesenkt.  Dies ist verständlich, es wurde immer wieder von allen Seiten publiziert, dass der Satz gesenkt wird. Nun also auch bei Nest. Aber meines Wissens ist es das erste Mal in der Geschichte von Nest, dass solch eine Senkung durchgeführt wird, ohne Übergangs¬lösung für all diejenigen, die ein paar Jahre vor der Pensionierung stehen und dadurch keine Möglichkeit mehr haben, dies irgendwie wieder aufzufangen. Ich empfinde das als sehr störend. Bisher wurden meines Wissens immer Übergangsregelungen für dermassen Betroffene seitens Nest gewährleistet. Weshalb dieses Mal nicht? Bei einer solch massgeblichen Reduktion innerhalb von 4 Jahren trifft es Einige sehr hart und unvorbereitet durch diese Rentenkürzungen. (Alter um die 60).
(Bea Gribi, Filmcoopi Zürich AG)

Sie haben recht: versicherte Personen, die 4 bis 5 Jahre vor der Pensionierung stehen, werden besonders hart getroffen. Für Abfederungsmassnahmen wäre eine Zusatzfinanzierung unter Einbezug der Arbeitgeber notwendig. Weil dies aufgrund der heterogenen Struktur in einer Sammelstiftung kaum möglich ist, hat es auch in der Vergangenheit bei Nest nie Abfederungs-massnahmen gegeben. Allerdings waren in der Vergangenheit die Senkungsschritte kleiner.

Wenn Sie sich unter Übergangsregelung eine Aufschiebung für die kurz vor der Pensionierung stehenden Versicherten vorstellen, würde die Senkung erst in ein paar Jahren wirksam und die Pensionierungsverluste könnten erst später reduziert werden. Wir haben so lange wie möglich mit der Senkung gewartet. Jetzt müssen wir handeln. Auch wenn das für Sie kaum ein Trost ist:  Die Umwandlungssätze sind – versicherungstechnisch gesehen- auch nach den beschlossenen Senkungen noch immer zu hoch. Sie werden somit durch die Senkung nicht benachteiligt, "lediglich" Ihre Bevorteilung gegenüber den jüngeren Versicherten wird kleiner.

Weshalb wurde uns dies in einem ausserordentlichen (lapidaren) Papier mitgeteilt in einer Zeit (Corona), die auch für die Arbeitnehmende sich durchaus als schwierig darstellt? Normalerweise wird dies innerhalb einer Delegiertenversammlung dargelegt und kommuniziert. Ich werde den Gedanken nicht los, dass dies so by the way einfach durchgewunken wurde, ohne gross Aufsehen zu erheben? Gibt mir ein wenig ein schales Gefühl.
(Bea Gribi, Filmcoopi Zürich AG)

Der Entscheid, die Umwandlungssätze schneller als bisher zu senken, ist dem Stiftungsrat nicht leichtgefallen. Er hat sich so lange wie möglich dagegen gewehrt. Selbstverständlich wären der Stiftungsrat und die Geschäftsleitung bereit gewesen, sich der Diskussion mit den Delegierten zu stellen. Corona-bedingt konnten wir dieses Jahr keine Delegiertenversammlung mit physischer Präsenz durchführen. Deshalb haben wir Sie eingeladen, Ihre Fragen schriftlich zu stellen. Auch nach der Delegiertenversammlung beantworten wir Ihre Fragen gerne. Bei Bedarf auch gerne in einer dafür anberaumten Videokonferenz mit dem Stiftungsrat. Bitte melden Sie sich, wenn Sie weitere Informationen benötigen.


Ausführlichere Informationen zu den Umwandlungssätzen finden Sie auch auf unserer Homepage
https://nest-info.ch/aktuell/uws-senkung/

Die grössten Positionen der Aktien Schweiz bei Ihnen sind Novartis, Roche und LafargeHolcim. Es ist bekannt, dass diese Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit relativ wenig Anstrengungen unternehmen. Gemäss dem Komitee der Konzern-verantwortungsinitiative betreibt letzteres, z.B. die LafargeHolcim eine Zementfabrik im nigerianischen Dorf Ewekoro. Wie von Ärzten bestätigt wurde, leiden die Menschen im Dorf enorm unter dem Zementstaub (irreversible Gesundheitsschäden).

> https://konzern-initiative.ch/skandal/lafargeholcim/
 

Als Mitglied von Ethos dürfte Ihnen auch andere Hinweise bekannt sein.

> https://ethosfund.ch/de/news/ethos-meldet-sich-an-der-lafargeholcim-generalversammlung-zu-wort!
 

Ist es geplant, diese Positionen mit nachhaltigeren regionaleren Unternehmen zu ersetzen? Zum Beispiel Investitionen in Unternehmen, Organisationen und Länder, die sich in Bezug auf ökologische und soziale Kriterien und ihre Unternehmensführung auszeichnen und auch eine langfristige finanzielle Wertschöpfung erwirtschaften.

Das ist so, Grosskonzerne, auch wenn im Nachhaltigkeitsrating als investierbar eingestuft, können über die Zeit immer wieder negativ zu Nachhaltigkeitsthemen auffallen. Nicht zuletzt, da aus Geschäftsaktivitäten von Unternehmen externe Kosten für Umwelt und Gesellschaft entstehen aufgrund von fehlender Internalisierung und Markt- und Regulierungsversagens. Diese sogenannten Kontroversen werden in unser Rating miteinbezogen und können dazu führen, dass Unternehmen für nicht mehr investierbar eingestuft werden. Wir betreiben als Investor «engagement», als Ergänzung zu unserem Nachhaltigkeitsansatz für genau solche Fälle (als Mitglied Ethos Engagement Pool und Responsible Shareholders Group). Interessierte können bei uns Factsheets zu Roche, Novartis und Holcim anfordern.
 

Untenstehend zudem eine detaillierte, aktuelle Stellungnahme zu Holcim vom zuständigen Analysten. Wie Sie sehen, diese Themen sind bekannt und fliessen mit ins Nachhaltigkeitsrating, und zusätzlich suchen wir in einer Gruppe von Investoren um mehr Gewicht/ assets zu haben, den Dialog mit den Unternehmen betr. Nachhaltigkeitszielen. Zudem gibt es einen Fachrat, der die kritischen «Grenzfälle»; Unternehmen an der Grenze zur Investierbarkeit, jeweils diskutiert. Auch challengen wir intern die Ratingmethodik immer wieder um am Ball zu bleiben und die Nachhaltigkeitseinhaltung zu überprüfen.
 

Analysten Feedback zu Holcim:
 

  • Die Ewekoro-Kontroverse fliesst ins Rating ein. Aufgrund der Gesundheitsschäden und der Irreversibilität wird die Kontroverse als severe eingeschätzt. Das weitere Newsscreening kann dazu führen, dass sich der Einfluss der Kontroverse noch mehr auf das Rating auswirkt. Bezüglich Rating sind sowohl das Sozial- wie auch das Umweltrating von der Kontroverse betroffen. Beide Aspekte haben sich im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert.
     
  • HolcimLafarge ist ein global tätiger Konzern, der mit Produktionsstätten insbesondere auch in Ländern mit weniger strengen Umweltgesetzgebungen tätig ist. Unsere Analysten gehen davon aus, dass LafargeHolcim wie Holcim früher die Strategie hat, lokale Produktionsstätten aufzukaufen. Dies hatte bereits vorher negative Einflüsse auf die angrenzende Bevölkerung – da sie nun einem globalen Konzern gehören, kann dies angeprangert werden und führt zu internationaler Aufmerksamkeit. Es bietet sich dadurch die Chance für Verbesserungen. Lafarge Holcim hat aber ein fortschrittliches Reporting nach GRI G4 Guidelines und gilt als Branchenvorreiter bei der Reduktion der spezifischen CO2-Emissionen von Zement.
     
  • Grundsätzlich haben wir den Eindruck, dass sie diese Thematik sehr ernst nehmen. Interessanterweise steht LafargeHolcim bzgl. Menschenrechte sehr gut da. Ende September steht wieder ein Austausch mit LafargeHolcim an, dann werden wir mehr wissen.

Eine weitere Frage betrifft ihr Engagement in Private Equity hier insbesondere die Finanzierung von Startups in Zusammenarbeit mit Investiere. Nest unterstützt diese bereits mit einem namhaften Betrag von über 13 Millionen. In der Schweiz sind in den letzten Jahren einige Startups mit Digitalen, Nachhaltigen und Klimafreundlichen Lösungen am Markt oder kurz davor. Was ist hier Ihre Strategie, sehen Sie hier eine Möglichkeit, dieses Engagement auszubauen? Das wäre in Zeiten von Corona, wo sich immer mehr Schweizer Firmen auf die Regionalität und Nachhaltigkeit zurückbesinnen ein starkes Zeichen und bietet zusätzlich Reichweite für neue Kunden ihrer Pensions-kasse.

Das Schweizer Start-up-Portfolio wird innerhalb der Möglichkeiten der Anlagestrategievorgaben ausgebaut: Das Zielvolumen und Wachstum wird durch das Wachstum des Gesamtvermögens der Sammelstiftung sowie erlaubte Volumen in der Anlagekategorie Private Equity/ Alternative Anlagen insgesamt bestimmt. Diese werden durch die Anlagestrategie, Risikofähigkeit der Sammelstiftung sowie Gesetzesvorgaben bestimmt. Da Start-ups risikohafter sind als andere «stages» innerhalb private equity, ist dieses Portfolio sorgfältig diversifiziert und darf aus der Risikoüberlegung nur ein bestimmtes Volumen haben. So sind wir als Pensionskasse an Gesetzesvorgaben wie die BVV2 gebunden. Bspw. betragen die Limiten für Alternative Anlagen, wie bspw. Private Equity, 15% des Gesamtvermögens. Leichte Überschreitungen werden bei entsprechender Begründung genehmigt. Aus Nachhaltigkeitsüberlegungen investieren wir innerhalb Alternativen Analgen nicht in Rohstoffe oder Hedgefonds was anderorts zu sehen ist. Das Schweizer Start-up Portfolio wurde explizit aufgebaut um innovative Schweizer Start-ups und die Schweizer Wirtschaft zu fördern.
 

Wir sind aktuell daran, unseren Ansatz in Alternativen Anlagen, den wir in Infrastruktur und weite Teile in Private Equity vor über 10 Jahren gestartet haben, auf sämtliche Private Equity und Debt Anlagen strukturiert auszuweiten. Dies ist unterdessen aufgrund unserer Grösse möglich. Wir beurteilen die Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft und bestimmen dadurch die für uns investierbaren, sprich nachhaltigen, Branchen und Subsektoren. So liegt bspw. der Hauptfokus unserer Infrastrukturanlagen auf Erneuerbaren und beim Thema Energie Effizienz. Auch wird pre-investment ein Fragebogen zur Nachhaltigkeit abgefragt. Was wir aber bereits schon seit einigen Jahren machen, ist «engagement»: Wir screenen die Unternehmen auf Kontroversen betreffend Nachhaltigkeitsthemen und sprechen die Manager darauf an.

Im Geschäftsbericht 2019 der Pensionskasse Nest wird unter der Rubrik Kennzahlen die grössten Positionen verschiedener Anlageklassen aufgelistet. So ist zu erfahren, dass Nest  Aktien im Wert von 6,2 Millionen der UBS besitzt und 5,4 Millionen von LafargeHolcim. Ausserdem besitzt Nest Aktien im Wert von 8,1 Millionen der China Construction Bank. Nest rühmt sich selber als die ökologisch-ethische Pensionskasse. Wie sie sicher wissen, ist eines der zentralen ökologisch-ethischen Problem unserer Zeit die Klimakrise. Es scheint mir daher klar, dass Nest nicht in Firmen investiert, die die Klimakatastrophe weiter anheizen. Aus diesem Grunde bin ich sehr überrascht, dass Nest ausgerecht in drei besonders negative exponierte Firmen besonders viel Kapital angelegt hat.

  • LafargeHolcim gehört aufgrund der Zementproduktion weltweit zu den grössten Emittenten von CO2 überhaupt.
     
  • Die China Construction Bank hat nach einem Bericht von Banktrack allein 2019 die Förderung von Kohle mit Krediten von mit 3.2 Milliarden US-Dollar unterstützt. Sie ist damit vor allen anderen Banken an der Spitze. Ausserdem hat die Bank Kohlekraftwerke mit 4 Milliarden Dollar Krediten versorgt und belegt in dieser Kategorie Platz 2.
     
  • die UBS hat zwar ihre Aktivitäten bei der Finanzierung der fossilen Industrie etwas zurückgefahren, sie hat aber 2019 immer noch total 6,4 Milliarden in diesen Sektor gesteckt, davon 1,2 Milliarden in die Offshore-Gewinnung von Öl- und Gas und rund 800 Millionen in die Verflüssigung von Erdgas, 500 Millionen in Kohleminen und 200 Millionen in Kohlekraftwerke.

Ich bitte Sie zu erklären, wie es dazu kommt, dass Nest in oben genannte Firmen investiert ist und wie das mit dem Anspruch ökologisch-ethisch in Übereinstimmung gebracht wird.  Ausserdem möchte ich gerne wissen, wieso Nest nicht ganz einfach die Finger von solchen Firmen lässt, da es auch aus wirtschaftlicher Sicht überhaupt keinen Sinn macht, in sie zu investieren.
(Daniel Stern, Die Wochenzeitung)

Die Struktur des Anlageportfolios wird an der Anlagestrategie ausgerichtet. Diese verbindet Eigenschaften der Anlagemärkte mit den Verpflichtungen sowie der Risikobereitschaft unserer Sammelstiftung und Vorgaben der Verzinsungen der 2. Säule (BVG). Die Anlagestrategie wird anhand einer Asset- und Liability-Management-Studie (ALM-Studie) sorgfältig erarbeitet und vom Stiftungsrat festgelegt. Darüber hinaus müssen selbstverständlich Grundsätze des institutionellen Anlegens wie bspw. Diversifikation berücksichtigt werden. Im Bereich Aktien investieren wir daher in über 3’000 Einzelpositionen. Es gilt jedoch zu beachten, dass nur rund 38% der Aktientitel im MSCI All Country World Index (ACWI) unseren Ansprüchen bezüglich Umwelt- und Sozialverträglichkeit gerecht werden.
 

Aus diesen Überlegungen folgen die erlaubten Volumen in einzelnen Anlageklassen bzw. auch unser Aktienexposure. Aufgrund der Gesetzesvorgaben der beruflichen Vorsorge ist auch nur eine bestimmte Quote in Alternative Anlagen erlaubt, denn marktkonforme Renditen und Rentensicherheit ist oberstes Gebot gemäss treuhänderischer Sorgfaltspflicht.
 

Uns ist bewusst, dass die Möglichkeit Wirkung zu erzielen in kotierten Märkten limitiert ist. Daher sehen wir Alternative Anlageklassen wie bspw. Infrastruktur als gute Chance, viel gezielter Anlagemöglichkeiten auszuwählen, die aktiv dazu beitragen, drängende Heraus¬forderungen denen die Welt gegenübersteht, anzugehen. Im Bereich der Infrastrukturanlagen verfolgen wir aber seit über 10 Jahren folgenden Ansatz: Nest gibt investierbare und nicht-investierbare Subsektoren vor, um die Nachhaltigkeit streng von der Vermögensverwaltung zu trennen. Dies führt dazu, dass unser Hauptfokus auf erneuerbaren Energien und Energieeffizienz liegt. Da wir auch in den nicht-kotierten Anlagen einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen und sozialen Aspekten berücksichtigen, wird ebenso in soziale Einrichtungen bspw. im Bereich Bildung investiert.
 

Wie sieht nun der Nachhaltigkeitsansatz von Nest in Aktien aus? Als ethisch-ökologische Pensionskasse hat Nest einen eigenständigen Nachhaltigkeitsansatz entwickelt. So wurde der Nachhaltigkeitsrating Experte Inrate AG mitbegründet und der «Best-in-Service» Ansatz ausgearbeitet. Das Nachhaltigkeitsverständnis von Nest wird somit von Nachhaltigkeits¬spezialisten anhand einer Rating-Methodik in ein investierbares Titeluniversum übersetzt. Was heisst das konkret? Die Basis der Nest Nachhaltigkeit in den Anlagen ist folgendes: Die Analyse von Auswirkungen von Geschäftsaktivitäten auf Umwelt und Gesellschaft. Und zwar entlang von gesamten Wertschöpfungsketten. D.h. in der Nachhaltigkeitsbeurteilung lauten die Frage-stellungen wie folgt: Welche Produkte und Dienstleistungen können die Grundbedürfnisse der Gesellschaft wie Transport, Gesundheit, Energie usw. möglichst auf eine umwelt- und sozial-verträgliche Art abdecken? Welche Unternehmen bieten diese Produkte möglichst umwelt- und sozialverträglich an und stellen sie auch umwelt- und sozialeffizient her? Sprich, welche Auswirkungen ergeben sich über die ganzen Wertschöpfungsketten, von der Beschaffung über Nutzung hin zur Entsorgung, dieser Produkte auf Umwelt und Gesellschaft?
 

Zudem Folgendes über kontroverse Grosskonzerne: Grosskonzerne fallen über die Zeit immer wieder negativ zu Nachhaltigkeitsthemen auf; auch wenn diese im Nest-spezifischen Nach-haltigkeitsrating als investierbar eingestuft werden. Solche Kontroversen werden in unserem Rating berücksichtigt und können auch dazu führen, dass Unternehmen für nicht investierbar eingestuft werden. Genau wegen diesen Kontroversen aber betreiben wir als Investorin «Engagement», um Unternehmen auf ihre Sozial- und Umweltverantwortung aufmerksam zu machen und sie dahingehend zu bewegen, entsprechend zu reagieren. Dieses Engagement erfolgt im Rahmen der Mitgliedschaft im Ethos Engagement Pool und der Responsible Shareholders Group. Als vereinte Gruppe von Investoren hat man durch die Summe er einzelnen Anlagevolumen viel mehr Gewicht und Möglichkeiten, eine Veränderung zu erwirken.
 

Im Q&A auf unserer Homepage haben wir diese Thematik ebenfalls behandelt. Hierzu empfehlen wir unsere Antwort auf die Frage: Warum investiert Nest in Unternehmen, die regelmässig in öffentliche Kontroversen verwickelt sind?
 

Das Klimathema ist ein elementarer Bestandteil unseres ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatzes seit dieser entwickelt wurde, welcher übrigens soziale und ökologische Aspekte gleichermassen berücksichtigt. Der Selektionsansatz durch das Rating führt bei den Aktien dazu, dass wir nicht in fossile Energieträger investiert sind. Vergleich detaillierter Beschrieb auf der Homepage unter «Selektion Aktien». Auch unser CO2 Fussabdruck bei den Aktien ist deutlich tiefer als bei einem herkömmlichen Marktportfolio (Vgl. Homepage CO2 Report). Wie Sie wahrscheinlich wissen, findet aktuell wieder die Klima-verträglichkeits-Tests/ 2 degree Kompatibilitätsanalysen von Schweizer Pensionskassen durch das BAFU statt. Sobald uns unsere Resultate vorliegen, haben wir noch mehr Informationen betr. Klimaverträglichkeit und können weitere Schritte analysieren.
 

Untenstehend die Stellungnahmen zu den Einzelunternehmen aus der Nachhaltigkeitsanalyse:
 

  • LafargeHolcim

Der Umweltimpact von Zementprodukten ist generell hoch. Der Nest-Nachhaltigkeitsansatz analysiert Unternehmungen unter anderem nach einem Best-in-Service Prinzip und erkennt an, dass die Förderung aller Servicesektoren für eine nachhaltige Entwicklung wichtig ist. Die Service Sektoren sind nach Grundbedürfnissen der Gesellschaft aufgeteilt. Dies heisst, dass Unternehmungen, die dieselbe respektive ähnliche Bedürfnisse der Gesellschaft abdecken, einem Servicesektor zugewiesen und mit den globalen Peers verglichen werden. Hier bspw. «Behausung/ Erbauen von Infrastruktur und Behausung». LafargeHolcim nimmt jedoch im ökologischen Bereich eine Vorreiterrolle ein, indem sich das Unternehmen bis 2030 zum Ziel gesetzt hat, die spezifischen CO2-Emissionen pro Tonne Zement um 40% gegenüber 1990 zu senken. In Bezug auf die Reduktion der CO2-Emissionen bei der Zementproduktion ist LafargeHolcim ist ein Industrieleader. Bis 2019 erreichte das Unternehmen bereits eine Reduktion um 27%. Kontinuierliche Verbesserung der Umweltperformance fördert der Konzern durch ein Anreizsystem, das die Entlöhnung des Exekutivausschusses von CO2-Emissionen, Abfallrecycling und Wasserverbrauch abhängig macht. Bzgl. Engagement: das zuständige Analystenteam wird auch dieses Jahr im Dialog mit LafargeHolcim auf die Nachhaltigkeits-Kontroversen/ kontroversen News eingehen, welche ebenfalls im Rating mitberücksichtigt werden.
 

  • China Construction Bank

Nest ist seit 2020 nicht mehr investiert. Wieso aber noch im Jahre 2019? Bis anhin waren wir in der Anlageklasse Aktien Emerging Markerts auf Fondsprodukte angewiesen; zwar wurde sorgfältig ein nachhaltiger Fonds ausgesucht, jedoch unterscheiden sich die Nachhaltigkeits-ansätze auf dem Markt von dem unseren. Jetzt verfügen wir (Wachstum des Stiftungsver-mögens) über ausreichendes Anlagevolumen um auch in dieser Anlageklasse ein Mandat aufzusetzen, was bereits vollzogen wurde. Dies erlaubt uns spezifisch die Nest Nachhaltigkeit in einem Portfolio umsetzen zu können. Gemäss unserem Ansatz ist China Construction Bank nun nicht mehr investierbar.
 

  • UBS

Generell haben Finanzdienstleister einen neutralen Impact. Finanzdienstleistungen haben in erster Linie indirekte Auswirkungen: Geschäftsaktivitäten widerspiegeln ein Abbild der durch-schnittlichen Weltwirtschaft dar. Die Beurteilung einer Überproportionalität bei UBS ist negativ, bspw. Volumen in CO2 Finanzierung gegenüber dem globalen Sektor. Die Kontro¬versen, im Umweltbereich fliessen mit ins Rating, deuten jedoch nicht auf eine Überproportio¬nalität hin. Es kommt hinzu, dass die Bank Prozesse zur Identifikation und Beurteilung von ökologischen und gesellschaftlichen Risiken verwendet. Im inlandorientierten Hypothekar¬geschäft gewährt sie einen Öko-Bonus für zertifizierte Liegenschaften. Im eigenen Betrieb verfügt die UBS über ein ISO 14001-zertifiziertes Umweltmanagementsystem. Diese Mass¬nahmen heben UBS deutlich über den globalen Sektordurchschnitt. Aber: Der Bankensektor ist aktuell bereits vor dieser Anfrage unter Diskussion beim Analysten Team, sowie auch bei Nest, es besteht ein reger Dialog, genau wegen diesen Fragestellungen. Dabei geht es um diese Thematik aus der Rating/ Bewertungssicht: Finanzierung& indirekte Auswirkungen vs. Industrie& direkte Auswirkungen und Bewertung. Wir prüfen momentan strukturiert über mögliche Optionen seitens Methodik, basiert auf Experten Wissen und wissenschaftlichen Erkenntnissen.
 

Hier noch zusätzlich der Kommentar zu UBS aus der Finanzanalyse aus dem zuständigen Portfoliomanagement: "Grundsätzlich stehen wir Bankaktien eher skeptisch gegenüber und sind verglichen zum Indexgewicht auf Sektorebene auch untergewichtet. UBS hat aber bei für uns wichtigen Themen in den letzten Jahren deutliche Schritte nach vorne gemacht. Es wird inzwischen sehr transparent kommuniziert, viel besser als beispielsweise bei einer CS. Governance ist inzwischen auch ein sehr wichtiges Thema – Diversity und andere Topics stehen sehr weit oben auf der Agenda. Zudem ist UBS sehr gut kapitalisiert und ist in den vergangenen Jahren, auch wieder im Vergleich zu einer CS, was das Thema Litigation betrifft, nicht mehr negativ aufgefallen. Gerade im Peer Group Vergleich zum internationalen Bankensektor schneidet UBS in praktisch allen Punkten überdurchschnittlich gut ab. In unseren Modellen sehen wir momentan noch weiteres Kurspotential, weswegen wir aktuell mit einer, neutralen Position, in UBS investiert sind."
 

Was Sie vielleicht noch interessieren könnte, unter «Q&A» zu den Nest Anlagen auf unserer Homepage finden Sie evtl. noch weitere informative Inputs. Zudem, haben wir vor kurzem die Kommunikation auf unserer Homepage über die Nest Nachhaltigkeit in den Anlagen aufgestockt: https://nest-info.ch/anlagen/nachhaltigkeit/