Umwandlungssatz und berufliche Vorsorge

Richtige Weichen für die Zukunft stellen

für Interessierte

Warum passt die Nest Sammelstiftung den Umwandlungssatz weiter an?

Unser Auftrag ist es, eine sichere und nachhaltige berufliche Vorsorge anzubieten. Wir streben bestmögliche Renten und attraktive Zusatzleistungen für unsere Versicherten an.

Dabei sind nachhaltige Anlagen das Fundament, auf dem wir unsere Geschäftstätigkeit aufbauen.

Um unseren Auftrag langfristig erfolgreich erfüllen zu können, beobachten wir gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen sehr genau und reagieren mit umsichtiger Geschäftspolitik, wann und wo es notwendig ist.

Die steigende Lebenserwartung, die tiefen Zinsen sowie die wirtschaftlichen Perspektiven haben uns dazu veranlasst, eine weitere Senkung des Umwandlungssatzes zu beschliessen. Der Stiftungsrat beobachtet und analysiert weithin sehr aufmerksam die Entwicklungen und wird bei einer Verbesserung sofort auch im positiven Sinne reagieren.

Was die geplante Senkung im Detail bedeutet und welche Möglichkeiten sich bieten, um diese abzufedern, stellen wir im vorliegenden Dossier zusammen.

Was ist der Umwandlungssatz?

Mit dem Umwandlungssatz wird aus dem angesparten Altersguthaben die jährliche Alters­rente berechnet. Massgebend ist dabei die Höhe des Umwandlungssatzes zum Zeitpunkt der Pensionierung.

Bei einem Altersguthaben von CHF 500′000 und einem Umwandlungssatz von 6.0 % würde die jährliche Altersrente CHF 30′000 betragen. Dieser Betrag bleibt nach der Pensionierung unverändert.


CHF 500′000 × 6.0 % = CHF 30′000

Was ist der technische Zinssatz?

Dieser ist neben dem Bewertungszinssatz auch ein Rechnungszinssatz für die Definition der Rentenleistungen. Bei einem Umwandlungssatz von 6.2 % beträgt der technische Zins 4.0 %, d.h. die Pensionskasse muss mindestens eine solch hohe Rendite erwirtschaften, damit die Verzinsung der Rentenkapitalien selbstdeckend finanziert werden kann. Falls die Rendite tiefer ist, entstehen Verluste, die von den Pensionskassen und damit von den aktiven Versicherten getragen werden müssen.

Welche Faktoren beeinflussen den Umwandlungssatz?

Die Höhe des Umwandlungssatzes wird im Wesentlichen durch zwei Grössen bestimmt:

1. Die voraussichtliche Lebenserwartung der Rentner/Innen:

Sie ist in den letzten 30 Jahren signifikant angestiegen. Dies hat Konsequenzen. Denn mit der zunehmenden Lebenserwartung steigt auch die durchschnittliche Bezugsdauer der Renten. Das angesparte Altersguthaben muss also für einen längeren Zeitraum reichen. Der aktuelle Umwandlungssatz berücksichtigt diese Entwicklung nicht.

Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Lebenserwartung, ab Alter 64/65, getrennt nach Geschlecht.

Quelle: Raymond Kohli, Aktuelle Sterblichkeitsentwicklung in der Schweiz, PPCmetrics Tagung 22.6.2018
2. Der technische Zinssatz:
Er ist in den vergangenen Jahren stetig gesunken. Damit die Verzinsung der Rentenkapitalien selbstdeckend finanziert werden kann, muss eine Pensionskasse eine Rendite in der Höhe von mindestens dem technischen Zinssatz erwirtschaften. Falls die Rendite tiefer ist, entstehen Verluste, die von den Pensionskassen und damit von den aktiven Versicherten getragen werden müssen.

Bei einem Umwandlungssatz von 6.2 % müsste dieser technische Zins 4.0 % betragen. Im aktuellen Zinsumfeld und bei der heutigen Lebenserwartung würde bei einem technischen Zinssatz von 1.75 % der korrekte Umwandlungssatz bei rund
4.7 % liegen.

Zusammenhang zwischen dem Umwandlungssatz und dem technischen Zinssatz

Für ein besseres Verständnis der Wechselwirkung zwischen Umwandlungssatz und technischem Zinssatz schauen wir uns das Beispiel von Frau Meier, geboren am 15.7.1958, an.

Frau Meier wird mit 64 Jahren am 1.8.2022 ordentlich pensioniert. Sie hat zu diesem Zeit­punkt ein Altersguthaben von CHF 360‘000. Ihre Lebenserwartung nach der Pensionierung beträgt gemäss Bundes­amt für Statistik rund 23 Jahre.


 Ihre Rente per 01.08.2022 beträgt:
CHF 360′000 × 6.0 % = CHF 21′600 pro Jahr

Mit dem technischen Zinssatz von 1.75 % würde der richtige Umwandlungssatz aber bei rund 4.7 % liegen.


Ihre Rente mit 4.7 % Umwandlungssatz würde betragen:
CHF 360′000 × 4.7 % = CHF 16′920 pro Jahr

Die entstehende Differenz von CHF 4′680 pro Jahr zwischen den beiden berechneten Alters­renten muss die Pensionskasse tragen.

Lebt Frau Meier, gemäss Statistik, die beobachteten 23 Jahre, muss die Pensionskasse also rund CHF 110′000 zusätzlich finanzieren.

Wie wirkt sich das aus?

Die zunehmende Lebenserwartung und der sinkende technische Zinssatz bewirken also, dass Pensionierten mehr ausbezahlt wird, als sie in ihrer aktiven Zeit angespart haben. Der aktuelle Umwandlungssatz ist gemessen an ihrer gestiegenen Lebenserwartung deutlich zu hoch angesetzt.

Die fehlenden Mittel müssen von der Pensionskasse finanziert werden. Dafür werden auch seit jeher Rückstellungen getätigt. Die Nest Sammelstiftung hat für diese Pensionierungs­verluste Ende 2019 knapp CHF 80 Millionen bereit gestellt. Bei unveränderten Umwand­lungssätzen würde der Bedarf an Rückstellungen aber in den nächsten Jahren auf rund CHF 160 Millionen steigen. Mit der beschlossenen Senkung der Umwandlungssätze wird diese Entwicklung gebremst.

Gibt es Alternativen zur Senkung des Umwandlungssatzes?

Wenn die Renditen auf den investierten Geldern nicht ausreichen, um die Fehlbeträge zu finanzieren, müssen die aktiven Versicherten diese Beiträge quersubventionieren. Dies wiederum wirkt sich negativ auf die Verzinsung der Altersguthaben der aktiven Versicherten aus. Es erfolgt also eine Umverteilung von Jung zu Alt.

In diesem Ausmass ist eine solche Umverteilung sozial nicht tragbar. Als verantwortungs­bewusste ökologische und ethische Pensionskasse will Nest dieser Umverteilung entgegen­wirken. Weil jedoch sowohl der technische Zins als auch die Lebenserwartung nicht gesteu­ert werden können, muss der Umwandlungssatz an die heutigen Verhältnisse angepasst werden.

Andernfalls gefährden wir das finanzielle Gleichgewicht der Nest Sammelstiftung und somit langfristig die Altersvorsorge unserer Versicherten.

Wird mein Altersguthaben kleiner?

Nein, die Senkung des Umwandlungssatzes hat keinen Einfluss auf die Höhe Ihres ersparten Altersguthabens. Der Umwandlungssatz bestimmt nur die Höhe Ihrer Altersrente.

Wo finde ich die Informationen zu meiner neuen Altersrente?

Die Angaben zu Ihrer neuen voraussichtlichen Altersrente finden Sie ab dem 1.1.2021 auf der zweiten Seite Ihres Vorsorgeausweises.

Was passiert mit meiner bestehenden Altersrente?

Die Senkung des Umwandlungssatzes hat keine Konsequenzen für Ihre bestehende Altersrente. Sie bleibt auf dem aktuellen Stand bestehen. Massgebend für die Höhe der Altersrente ist der Umwandlungssatz zum Zeitpunkt der Pensionierung.

Ich stehe kurz vor der Pensionierung. Welche Möglichkeiten habe ich, um die Senkung etwas abzufedern?

Einkäufe tätigen: Sollten Sie noch Einkaufspotential haben, können Sie dieses nach Möglichkeit ausschöpfen oder Ihr allfälliges Guthaben von der Säule 3a in die Pensionskasse transferieren.

Dämpfungsmassnahmen durch das Unternehmen: Firmen können den Sparplan erhöhen oder für einzelne Angestellte, die kurz vor der Pension stehen und noch Einkaufspotential haben, einen Einkauf tätigen.

Wie steht die Nest Sammelstiftung im Vergleich zu anderen Sammelstiftungen da?

Die aktuelle Situation trifft alle Vorsorgeeinrichtungen. Nach dem Nein des eidgenössischen Stimmvolks zur «Reform der Altersvorsorge 2020» im September 2017 haben die meisten Sammelstiftungen begonnen, ihre Umwandlungssätze zu senken. Mit diesem Schritt liegt Nest gut im Schweizer Durchschnitt.

Vergleich Umwandlungssätze (in %)

Stand 8.6.2020

Wichtiger Hinweis:
Dieses Merkblatt dient Ihrer Information. Massgebend ist jedoch das Reglement der Nest Sammelstiftung.