Nachhaltige Pensionskassenanlagen: Q & A

Nest

Nest investiert seit ihrer Gründung vor über 37 Jahren gemäss «ethisch-ökologischen» Prinzipien. Die Nachhaltigkeit ist als wichtige Anlageeigenschaft auf oberster Ebene im Anlagereglement verankert. Damit ist Nest eine der weltweit ersten Vorsorgeeinrichtungen, die Nachhaltigkeit in Anlagen implementiert hat. Auch ist die Nachhaltigkeit und deren Umsetzung viel restriktiver definiert als bei anderen institutionellen Investoren. Nest verfügt heute in der Nachhaltigkeitsumsetzung über jahrelange Erfahrung, nicht nur in Aktien, sondern auch in Obligationen und weiteren Anlageklassen.

Mehr Informationen zur Nest-spezifischen Umsetzung der Nachhaltigkeit finden Sie unter der Rubrik
«Nachhaltigkeit – Umsetzung».

Nachhaltige Anlagen sind für Nest Investitionen in Unternehmen, die mit ihren Produkten, Dienstleistungen und Geschäftspraktiken einen Wandel hin zu einer nachhaltigeren Gesellschaft fördern. Dies bedeutet, dass Unternehmen mit besonders negativen externen Effekten ausgeschlossen werden, dafür aber in Unternehmen mit einer positiven Wirkung auf Gesellschaft und Umwelt investiert wird.

Nest verwaltet den Grossteil der Vermögen mittels der Vergabe externer Mandate und unterhält Beziehungen zu mehreren Vermögensverwaltern. Die aktiv verwalteten Portfolios orientieren sich an marktüblichen Benchmarks. Einzig die Immobilien Schweiz und Hypotheken werden zu einem grossen Teil mit Hilfe externer Dienstleister intern verwaltet.

Die aktuellen Vermögensverwalter von Nest finden Sie hier.

Da Nest einen spezifischen und strikten Nachhaltigkeitsansatz verfolgt, muss eine unabhängige Nachhaltigkeitsratingagentur eingesetzt werden. Sonst wäre die Nachhaltigkeit an den Vermögensverwalter gebunden. Ein Vermögensverwalter optimiert primär die Rendite und Risikoerwartungen. So kann es sein, dass in von ihm als nicht nachhaltig eingeschätzte Titel aufgrund von guten Rendite- und Risikoeigenschaften investiert wird. Eine unabhängige Ratingagentur vermeidet einen solchen Zielkonflikt zwischen Nachhaltigkeit, Rendite- und Risikoeigenschaften.

Nest konnte mit diesem Ansatz die Wertvorstellungen der Versicherten umsetzen und gleichzeitig eine Anlagestrategie mit marktkonformen Renditen implementieren. Vor dem Hintergrund der steigenden Sensibilisierung für Nachhaltigkeitsthemen (Klimawandel, Menschenrechte) erhöht diese nachhaltige Anlagepolitik auch den Reputationsschutz.

Durch die Nachhaltigkeit wird eine Auswahl an investierbaren Titeln getroffen, welche die Möglichkeiten zur Portfoliokonstruktion für den Portfoliomanager einschränkt. Weiter trifft der Portfoliomanager selbst auch eine Auswahl aus diesen nachhaltigen Titeln, was zu hohen Abweichungsrisiken führen kann. Diese Abweichungsrisiken werden von Nest jedoch laufend überwacht.

Nest liegt im Vergleich mit anderen schweizerischen Pensionskassen im oberen Drittel, was die Kosten betrifft.
Die Zusatzaufwände für die Nachhaltigkeit fallen dabei nicht entscheidend ins Gewicht. Es gibt viel wichtigere Faktoren, welche die Rendite beeinflussen, beispielsweise die Anlagestrategie.

Anlagen

Unter der strategischen Asset Allocation (Strategie) versteht man die langfristige Aufteilung der Vermögenswerte in Anlagekategorien. Sie richtet sich nach der Risikofähigkeit des Investors und zeigt, wie viel Prozent des Vermögens bspw. in Aktien oder Obligationen investiert werden sollen.

Die Taktik resp. taktische Asset Allocation beschreibt die kurzfristige Unter- oder Übergewichtung von Anlagekategorien gegenüber der Strategievorgabe.

Im Januar 2020 beschloss die Anlagekommission, künftig grundsätzlich auf eine aktive taktische Positionierung (Taktik) zu verzichten und stattdessen auf ein regelbasiertes strategienahes Rebalancing umzustellen. Das bedeutet, dass Nest in regelmässigen Abständen oder bei Verletzung der Strategiebandbreiten die Vermögensstruktur so anpasst, dass diese wieder den Strategievorgaben entspricht.

Die Benchmark oder auch Referenzindex bildet einen bestimmten Anlagemarkt ab und dient als Vergleich für die Leistungen von Vermögensverwaltern. Zum Beispiel wird der Swiss Performance Index als Benchmark für Schweizer Aktien verwendet.

Aktiv verwaltete Portfolios zeichnen sich dadurch aus, dass sie Abweichungen zur Benchmarkstruktur haben. Dies kann bspw. durch eine andere Gewichtung von bestimmten Sektoren der Fall sein. Die Aktienportfolios von Nest sind alle aktiv verwaltet, da unser Anlageuniversum durch die Nachhaltigkeit stark eingeschränkt ist; z.B. wird der Energiesektor im Vergleich zur Benchmark untergewichtet.

Im Gegensatz dazu werden passiv verwaltete Portfolios bezüglich Struktur- und Risikoeigenschaften möglichst ähnlich wie die Benchmark konstruiert.

Eine Depotbank verwahrt und verwaltet die Wertschriften. Wenn ein Anleger nur mit einer Depotbank arbeitet, spricht man von einem Global Custodian. Dieser erstellt u.a. Reports des Gesamtvermögens des Anlegers. Der Global Custodian von Nest ist die Credit Suisse. Wir sind uns dabei der Kontroverse mit der Credit Suisse als Dienstleister bewusst, und nehmen soweit als möglich Einfluss auf die Geschäftspolitik und evaluieren unsere Möglichkeiten laufend.

Zentral für die sichere Anlage des Vermögens ist neben der sorgfältigen Auswahl, Bewirtschaftung und Überwachung auch die Abstimmung auf die Struktur und erwartete Entwicklung des Versichertenbestandes («Verpflichtungen») sowie die Diversifikation über Anlagekategorien, Regionen und Wirtschaftszweige (BVV2 Art. 50). Diese Grundsätze hat auch Nest verinnerlicht, indem sie die Vermögensverwalter sorgfältig in einem Konkurrenzverfahren auswählt und mit einem Investment Controller überwacht. Zudem wird regelmässig mit einem erfahrenden Partner eine Asset-Liability-Management-Studie durchgeführt, um die Anlagen auf die Struktur der Kasse abzustimmen. Weiter sollen die uns anvertrauten Gelder möglichst breit, aber dennoch sinnvoll angelegt werden.

Unsere direkt gehaltenen Immobilien in der Schweiz werden im Grundsatz zu 100% mit Eigenmitteln finanziert. Beim Kauf von Immobilien werden zum Teil Hypotheken übernommen, welche jedoch nicht erneuert werden.

Hierzu können mehrere Gründe genannt werden:


Nachhaltigkeit: Die strikte Nachhaltigkeit unserer Pensionskasse bringt aufgrund ihrer Spezifität höhere Gebühren mit sich. Da unsere Destinatäre keine Feigenblatt-Nachhaltigkeit wünschen, trennen wir auch die Vermögensverwaltung von der Nachhaltigkeit. So haben wir einen externen und unabhängigen Nachhaltigkeitsberater. Dies erhöht auch die Kosten gegenüber integrierten Nachhaltigkeitsansätzen, ist dafür aber nachhaltig im engeren Sinne.

Aktiver Anlagestil: Aufgrund unseres stringenten Nachhaltigkeitsansatzes schliesst Nest aus Gründen der Nachhaltigkeit nicht, wie andere Kassen, wenige Einzeltitel aus, sondern 50% bis 70% der Aktientitel. Deshalb kann Nest nicht passiv resp. indexiert anlegen, sondern muss das Vermögen aktiv verwalten lassen. Dies führt zu höheren Kosten.

Vergleichsweise hoher Anteil Alternative Anlagen: Unser Ziel ist es, möglichst breit zu investieren, d.h. eine möglichst breite Diversifikation zu erreichen («Endowment-Ansatz»). Deshalb setzt Nest auch jene Alternativen Anlagen ein, welche als sinnvoll erachtet werden. Dazu gehört beispielsweise auch Private Equity. So zeigen neuere wissenschaftliche und renommierte Studien, dass Private Equity gegenüber Aktien eine Mehrrendite nach Kosten liefert, welche signifikant grösser ist (Beispiel). Auch erhöht Nest damit die Diversifikation, da das Vermögen auf mehr Firmen verteilt wird und dadurch etwas unabhängiger von Zyklen an der Börse ist. Jedoch sind die Kosten im Private Equity sehr hoch, was Nest ein Dorn im Auge ist.

Nest ist sich bewusst, dass sie eher hohe Vermögensverwaltungskosten aufweist. Wir sind jedoch ständig bestrebt, die Gebühren durch harte Verhandlungen und Optimierungen in der Struktur weiter zu senken. Weiter gilt es, die Kosten stets in Relation mit dem Anlagevolumen und der Nettorendite zu betrachten.

Ja, Nest investiert hierzu in ein speziell auf diesen Bereich fokussiertes Investitionsprogramm. Darin werden direkt Schweizer Start-Ups finanziert.

Nein, keine der oben genannten Anlagen sind Teil des Portfolios von Nest.

Nest vergibt seit ihrer Gründung direkte Hypotheken. Anfangs ganz gezielt an versicherte Personen, alternative Wohnprojekte und Kollektive. Wir finanzieren in erster Linie selbstbewohntes Wohneigentum, kleinere und mittlere Genossenschaften, soziale Institutionen sowie grössere Konsortialfinanzierungen (mit der Alternativen Bank Schweiz AG). Die Vergabe einer Nest-Hypothek ist dabei nicht an einen Anschluss an die Sammelstiftung gebunden.

Ja, nachfolgend zwei Beispiele aus unserem Schweizer Start-up-Portfolio:

Insolight: Insolight entwickelt Photovoltaik-Module, die durch ihr einzigartiges Design eine drastische Effizienzsteigerung bewirken. Mit der Technologie werden die Solarzellen durch winzige Anpassungen von wenigen Millimetern pro Tag stets so ausgerichtet, dass sie optimal im Fokus der Lichtstrahlen sind. So werden Stromkosten gesenkt und der Umstieg zu Solaranlagen wird so für immer mehr Menschen möglich gemacht. Weitere Infos hier.

CombaGroup: CombaGroup ist Erfinder und Entwickler von mobilen Aeroponiksystemen. Es handelt sich dabei um eine Anbaumethode, die komplett ohne Erde auskommt. Die Pflanzen werden automatisiert mit Nährstoffen und Flüssigkeit besprüht. Die Wurzeln hängen dabei vollständig in der Luft. Diese Technologie ermöglicht es, effizienter anzubauen, vorallem auch in urbanen Regionen, und gleichzeitig Energie und Wasser zu sparen. Weitere Infos hier.

Nachhaltigkeit

ESGs sind Indikatoren, die sich auf ökologische, soziale/gesellschaftliche und gute Unternehmensführungs-Aspekte beziehen. Der Begriff ESG (Environmental, Social, Governance) hat sich dabei weitgehend durchgesetzt.

Jede Investition ist mit positiven oder negativen Auswirkungen resp. einem Impact auf die Umwelt und Gesellschaft verbunden. Diesen Impact zu kennen, ist für Nest wichtig, um einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten und Reputationsrisiken zu vermeiden.

Selektion und Active Ownership stellen zwei unterschiedliche Methoden oder Techniken der Umsetzung der Nachhaltigkeit dar. Ein Engagementprozess (Active Ownership) ist sehr ressourcenintensiv und es kann Jahre dauern, bis ein Einfluss («Impact») feststellbar ist, während ein Selektionsprozess schnell und kosteneffizient umgesetzt werden kann. Sinnvollerweise werden beide Methoden eingesetzt, was auch bei Nest der Fall ist.

Alleine die Welt zu verändern ist schwierig. Mit unserer konsequenten nachhaltigen Anlagestrategie und unserer marktkonformen Rendite erhoffen wir uns eine Vorbildrolle, die hoffentlich eine Nachahmerwirkung mit sich zieht. Zudem können auch kleinere Verschiebungen in Investitionen einen massgeblichen Einfluss auf die Realwirtschaft haben.

Für Nest sind diese Indizes zu wenig weit, d.h. sie sind nicht genügend nachhaltig. Die meisten dieser Indizes basieren auf dem «Best-in-Class-Ansatz». Damit enthalten sie auch Titel von kontroversen Branchen wie Öl und Gas, da aus jedem Sektor die «besten» Unternehmen ausgewählt werden. Nest schliesst kontroverse Sektoren explizit und bewusst aufgrund ihrer strengen Nachhaltigkeit aus.

Ja, aber nicht in dem Ausmass, wie wir dies gerne möchten. Damit Nest ausschliesslich in solche Themen investieren kann, braucht es zunächst ein breites und diversifiziertes Universum solcher Unternehmen, mit welchen sich eine marktkonforme Rendite erwirtschaften lässt. Oberste Priorität hat für Nest die Rentensicherheit, da alle Vorsorgeeinrichtungen gesetzlich dazu verpflichtet sind. Im möglichen Rahmen, investiert Nest jedoch direkt in solche Unternehmen oder Projekte. Ein interessantes Beispiel hierzu ist «Wildbiene und Partner», die sich für den Erhalt und Schutz von Bienen einsetzen (weitere Infos hier).

Erstens ist es aus ökonomischer Sicht nicht klar, ob es sinnvoll ist, in Rohstoffe zu investieren, und zweitens ist eine Investition auch aufgrund der Nachhaltigkeit sehr fragwürdig. Der grösste Anteil an Rohstoffanlagen sind fossile Energieträger. Weiter können die Bedingungen der Herstellung resp. die Herkunft dieser Rohstoffe nicht kontrolliert werden. Konkret besteht ein grosser Anteil der Produktion der Nahrungsmittel aus nicht nachhaltiger Landwirtschaft und ein grosser Anteil der Metalle wird unter lebensgefährlichen Bedingungen und/oder mittels Einsatz starker Chemikalien gewonnen.

Fossile Energien sind nicht Teil unserer Ausschlusskriterien. Jedoch erhalten Öl, Gas und Kohle in unserem Nachhaltigkeitsrating bei der Produktbewertung grundsätzlich eine schlechte Impact-Bewertung. Wenn das Unternehmen einen substanziellen Umsatzanteil mit Öl, Gas oder Kohle generiert, ist es in der Regel unterdurchschnittlich und damit nicht investierbar. Bei einem geringen Umsatzanteil an fossilen Energien und einem hohen Anteil an erneuerbaren Energien könnte ein Unternehmen durchaus investierbar sein (sofern keine anderen Probleme bestehen). In der Praxis ist aber der Anteil an fossilen Energien praktisch gleich null.

Bei den Aktien und den Obligationen sind nur Unternehmen investierbar, die in ihrem jeweiligen Servicesektor überdurchschnittlich sozial- und umweltverträglich bewertet worden sind.

Das Rating eines Unternehmens steht somit stets in Relativität mit den Bewertungen der anderen Unternehmen im gleichen Servicesektor. Bei kontroversen Servicesektoren (bspw. Gesundheit resp. Pharma) führt dies dazu, dass auch die Besten gelegentlich in öffentliche Debatten verwickelt sind.

Für Schweizer Konzerne lässt sich sagen, dass deren Kontroversen hierzulande grundsätzlich stärker wahrgenommen, werden als sie dies im Kontext aller Industrieländer tun. Unser Rating unterscheidet pro Sektor lediglich zwischen Unternehmen aus Industrienationen und Unternehmen aus Entwicklungsländern, d.h. es gibt keine Vergleichsgruppe nur für die Schweiz. Das bedeutet, dass Schweizer Unternehmen mit Unternehmen aus anderen Industrieländern verglichen werden und relativ häufig überdurchschnittlich gut abschneiden.

Kontroversen werden im Nachhaltigkeitsrating berücksichtigt und führen zu Punktabzügen. Zudem betreibt Nest Engagements als Ergänzung zur Selektion, um eben auf Kontroversen reagieren zu können.

Die Investoren und Stimmrechtsvertreter verzeichnen vermehrt Erfolge und erhalten grössere Aufmerksamkeit von der Öffentlichkeit. So hat zum Beispiel Shell u.a. auf Druck der institutionellen Anleger bekannt gegeben, dass jährlich mehrere Milliarden Dollar in die Sparte erneuerbare Energieerzeugung investiert werden und dass bis im Jahr 2050 die Emissionen (inkl. jene ihrer Kunden) um ca. 50% reduziert werden sollen (siehe Progress Report Climate Action 100+).

Die ESG-Integration wird vereinfacht als «gleichzeitige Evaluation von Finanzkennzahlen und Nachhaltigkeitsleistungen» bezeichnet. Das Grundproblem beim Ansatz Integration besteht darin, dass die Nachhaltigkeit durch finanzielle Faktoren kompensiert werden kann. Dadurch wird auch in nicht sehr nachhaltige Unternehmen investiert, wenn sie ökonomisch interessant sind. Dies widerspricht der DNA von Nest.

Ja, die Kriterien unseres Nachhaltigkeitsansatzes lassen sich direkt den Nachhaltigkeitszielen der UNO zuordnen und setzen nahezu alle Ziele um. Das Gleiche gilt für den UN Global Compact. Die meisten festgehaltenen Prinzipien des UN Global Compact sind bereits als Ausschlusskriterien in unserem Anlagereglement verankert.

Ja, zwar nicht direkt als Indikatoren, aber indirekt durch die Bewertungen des Ratings an sich. Nest schliesst durch das Rating «schmutzige» Branchen weitgehend aus, wodurch wir vor dem Transitionsrisiko geschützt sind.

Grundsätzlich ja, aber in der Praxis nicht. Die Probleme von Konfliktrohstoffen oder Blutdiamanten, die bei der Gewinnung dieser Materialen bestehen (Menschenrechtsverletzungen etc.), werden beim Impact Rating direkt berücksichtigt. Dasselbe gilt für viele andere Aspekte.

Ja. Der Effekt von Engagement-Strategien («Active Ownership») durch direkte Einflussnahme ist zwar direkt beobachtbar, kann aber auch Jahre dauern. In dieser Zeit ist man weiterhin investiert. Im Gegensatz dazu ist der Effekt durch die Allokation («Selektion») zwar nur indirekt zu beobachten, dafür aber im Portfolio unmittelbar spürbar. Wird von einer Investition in einen Titel aufgrund von schlechter Nachhaltigkeitsleistung der Firma abgesehen oder wird der Titel abgestossen, fällt der Kurs. Indirekt erhöht dies die Finanzierungskosten der Firma, was wiederum dazu führt, dass der Druck auf die operative Geschäftsführung steigt. Gestaltet man das Unternehmen nachhaltiger, sinken die Finanzierungskosten.

Viele Daten liefern die Unternehmen selbst in ihren Geschäftsberichten, in Nachhaltigkeitsreports, durch die freiwillige Teilnahme an Initiativen (wie bspw. das Carbon Disclosure Project) und in Befragungen. Diese Daten werden grösstenteils leider nicht durch einen Revisor geprüft, sondern nur von Nachhaltigkeitsagenturen. Zusätzlich sind auch die Medien eine Datenquelle, welche systematisch genutzt wird.

Der CO2-Ausstoss eines ganzen Portfolios ist die gewichtete Summe der verursachten CO2-Emissionen jeder einzelnen Unternehmung im Portfolio. Dabei ist es wichtig, die gesamte Wertschöpfungskette bei der Berechnung einzubeziehen. Die Standards des Greenhouse Gas (GHG) Protocol definieren dafür drei Emissionskategorien: Scope 1, 2 und 3.

Scope 1: Emissionen, die dem Unternehmen direkt zugerechnet werden können, etwa unternehmenseigene Kraftwerke oder Fahrzeugflotten.

Scope 2: Emissionen, die bei der Erzeugung von Energie entstehen, die von ausserhalb bezogen wird, dies sind vor allem Strom und Wärme.

Scope 3: Sämtliche übrigen Emissionen, die durch die Unternehmenstätigkeit verursacht werden, aber extern entstehen, zum Beispiel bei Zulieferern, Dienstleistern, Mitarbeitenden sowie beim Gebrauch des Produktes oder der Entsorgung.

Lieferketten sind für Nachhaltigkeitsbeurteilungen miteinzubeziehen, auch wenn dies teilweise aufgrund fehlender Transparenz schwierig ist. Nachhaltige Beschaffung bedeutet, dass sowohl die Produkte als auch die Produktion der Zulieferer möglichst umweltverträglich sind, faire Löhne bezahlt werden und keine gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen herrschen.

Länder durchlaufen 38 Ausschlusskriterien, wie bspw. Todesstrafe, EU- und UN- Waffenembargos, Nuklearwaffen, Regimetyp etc. Wenn sie dabei nicht ausgeschlossen werden, wird jedes Land auf die Themen Umwelt und Gesellschaft überprüft. Diese Überprüfung erfolgt insgesamt mit über 70 Indikatoren und ergibt eine Bewertung zwischen 0 und 100. Keine der beiden Bewertungen darf dabei mehr als 5% unter dem OECD-Benchmark liegen und in der Summe müssen sie über dem Durchschnitt liegen, damit sie investierbar sind.

Die Auswahl der Indikatoren orientiert sich an den Hauptzielen eines Staates, wie sie zum Beispiel in der Schweizer Bundesverfassung niedergeschrieben sind (bspw. das Recht auf Leben, Freiheit, politische Rechte, soziale Wohlfahrt etc.). Die gewählten Indikatoren messen den Beitrag eines Staates zur nachhaltigen Entwicklung in den Bereichen, bei denen ein Staat Einfluss und Kontrolle hat (das heisst bspw. als Gesetzgeber, als Gesetzeshüter oder als Anbieter von Grunddienstleistungen wie Bildung). Die Methodik ist vergleichbar mit jener der Unternehmensbewertung und ebenfalls strikt bzw. hoch selektiv. Nur knapp 20 Länder sind investierbar.

Die Kontroversen, die im Nachhaltigkeitsrating berücksichtigt werden, sind in der Tat rückwärtsgewandt. Wenn sich die Kontroversen jedoch häufen, ist dies ein starker Indikator dafür, dass ein Unternehmen weniger Wert auf ein nachhaltiges und ethisches Wirtschaften legt. Dies lässt vermuten, dass dieses Unternehmen auch in Zukunft nicht nachhaltig wirtschaften wird. Somit liegt in gewisser Weise auch eine zukünftige Betrachtung vor.